Diagnoseverfahren

Zur Diagnostik gehören alle Untersuchungen, die notwendig sind, um eine Krankheit festzustellen. Durchgeführt wird dies in der Regel anhand drei Kriterien wie Anamnese, körperliche Untersuchung und apparative Diagnostik.

Anamnese bedeutet, dass der Behandler seine Patienten systematisch befragt zu seinen Beschwerden (Symptomen) und wann diese auftreten. Auch Informationen zu früheren Erkrankungen oder Erkrankungen, die innerhalb der Familie aufgetreten sind, liefern wertvolle Hinweise.

Bei der körperlichen Diagnostik werden die Patienten genau angeschaut, abgetastet oder mit einem Stethoskop abgehört.

Bei der apparativen Diagnostik werden zusätzliche Hilfsmittel benötigt. Dazu gehören bildgebende Verfahren wie Röntgenuntersuchungen oder Ultraschall, Labordiagnostik, wie zum Beispiel Blutuntersuchungen.

Blut und Urintests

Verschiedene Bluttests tragen zur Diagnose eines NET bei, allerdings sind Bluttests auf NET nicht immer zu 100 % zuverlässig, da andere Erkrankungen die Ergebnisse verfälschen oder unerwartet verändern können.

Auch macht sich der NET nicht immer im Blut bemerkbar. Ein (normales) Ergebnis bedeutet also nicht, dass kein NET vorhanden ist. Trotzdem sind diese Tests (zusammen mit anderen Untersuchungen) auf dem Weg zu einer genauen Diagnose ungemein hilfreich. Und wenn abweichende Ergebnisse festgestellt werden, dienen sie als Kontrollinstrument im Zeitverlauf während oder auch nach der Behandlung.

Dies ist der wichtigste Marker für neuroendokrine Tumoren.

Chromogranin A Werte sind jedoch oftmals auch erhöht bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei Patienten mit atrophischer Gastritis (Autoimmunkrankheit des Magens) und bei Patienten, die mit Protoneninhibitoren (Medikamente zur Verringerung der Magensäurebildung) behandelt werden. Daher kann dies auch zu unerwünschten falschen Aussagen führen.

Die Anfertigung eines Blutbildes ermöglicht es, die Zahl und Gestalt der Blutzellen sowie die Konzentration des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) zu bestimmen. Dazu wird das Blut in der Regel aus einer Armvene gewonnen.

Ein großes Blutbild beinhaltet alle Laborwerte, die beim kleinen Blutbild erhoben werden, wie:

  • rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
  • roter Blutfarbstoff (Hämoglobin, Hb-Wert)
  • Anteil der Zellen im Blut (Hämatokrit)
  • mittleres Zellvolumen eines roten Blutkörperchens (mean cellular volume, MCV)
  • mittlere Konzentration von Hämoglobin in einem einzelnen roten Blutkörperchen (mean corpuscular haemoglobin, MCH)
  • mittlere Konzentration von Hämoglobin in allen roten Blutkörperchen (mean corpuscular haemoglobin concentration, MCHC)
  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
  • Blutplättchen (Thrombozyten)

Zusätzlich werden für ein großes Blutbild noch die unterschiedlichen Leukozytenarten genauer untersucht. Das sind:

  • stab- und segmentkernige Granulozyten (neutrophile Granulozyten)
  • eosinophile und basophile Granulozyten
  • Monozyten
  • Lymphozyten

Bedingt durch verminderte Bildung oder gesteigerten Abbau von roten Blutkörperchen, kann es zu einem Mangel an rotem Blutfarbstoff, dem Hämoglobin und meist auch an roten Blutkörperchen im Blut kommen. Man spricht dann von Blutarmut (Anämie).

Neben verschiedenen Ursachen können auch Störungen durch einen Tumor oder der damit verbundenen Behandlungen vorliegen.

Auch kann ein Mangel an Eisen oder Vit. 12 eine Blutarmut verursachen.

Bei Feststellung von Hypophysentumoren wird die Menge der produzierten Hormone gemessen. Daran ist erkennbar, wie gut die Hirnanhangsdrüse arbeitet und ob bestimmte Hormone ersetzt werden müssen.

Dieser Wert spiegelt die Güte der Nierenfunktion wider. Er ist vor allem wichtig vor einer PRRT oder Kontrastmittelgabe.

Leberfunktionstests werden anhand von Blutproben gemacht, bei denen die Konzentration von Enzymen und anderen von der Leber produzierten Substanzen bestimmt wird.

Der Kalziumgehalt des Blutes wird von vielen Faktoren beeinflusst. Das Parathormon ist neben Vitamin D, Phosphat und Calcitonin ein wichtiger Faktor, der den Kalziumspiegel auf dem Normalwert hält.

Niedrige Kalziumwerte (Calciumwerte) im Blut veranlassen die Nebenschilddrüsen dazu, Parathormon zu bilden. Das Parathormon sorgt dafür, dass der Kalziumspiegel wieder ansteigt. Es fördert den Kalziumtransport aus Knochen, Niere und Darm ins Blut. Dieser Vorgang ist auch abhängig vom Vitamin-D- und Phosphatgehalt des Blutes.

Verschiedene Erkrankungen können zu einer Über- (Hyperparathyreoidismus) oder Unterfunktion (Hypoparathyreoidismus) der Nebenschilddrüsen führen.

Dient auch als Screening-Test auf das MEN-1-Syndrom.

Mithilfe einer Blutuntersuchung lässt sich ermitteln, welche Hormonmengen die Schilddrüse produziert. Mit dem Bluttest werden TSH und die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) gemessen. Eine Störung der Schilddrüsenfunktion ist besonders früh an einer Veränderung des TSH-Wertes erkennbar. Daher wird oft zunächst nur TSH bestimmt.

Dies ist auch vor Gabe jodhaltiger Kontrastmittel erforderlich.

Calcitonin ist ein Peptidhormon, das hauptsächlich in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird. Zu geringen Anteilen sind auch Thymus und die Nebenschilddrüse an der Calcitoninproduktion beteiligt.

Calcitonin ist instabil. Blutproben müssen in gekühlten Röhrchen abgenommen und sofort ins Labor gebracht werden. Die Haltbarkeit bei Raumtemperatur (nach Zentrifugation) liegt ungefähr bei vier Stunden, gekühlt bei einem Tag.

Erhöhte Calcitonin-Werte findet man u.a. bei folgenden Erkrankungen:

  • medulläres Schilddrüsenkarzinom (Tumormarker)
  • C-Zell-Hyperplasie
  • Niereninsuffizienz
  • Leberzirrhose
  • Selten bei hormonell aktiven NEN (z. B. Pankreas)
  • Hyperthyreose (selten)

Bei der Suche nach Anzeichen einer Karzinoid-Herzerkrankung (Hedinger-Syndrom), dienen als zuverlässiger Biomarker für Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) zwei Hormone aus der Gruppe der natriuretischen Peptide, nämlich das Protein BNP (brain natriuretic peptide) und eine Vorstufe davon, das NT-proBNP (N-terminales pro-BNP).

BNP wird fast ausschließlich im Muskel gebildet. Es regt unter anderem die Nieren an, Flüssigkeit auszuscheiden. Wenn der Druck im Herzen ansteigt, etwa durch zu hohes Volumen (Blutfülle) oder durch einen Rückstau bei einer Herzinsuffizienz, setzen die Herzmuskelzellen BNP frei. Das bewirkt zum einen, dass die Nieren mehr Wasser ausscheiden, und zum anderen, dass sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch nimmt das Blutvolumen wieder ab und der Blutdruck sinkt.

NT-proBNP ist eine Vorstufe des BNP: Es ist im Blut länger nachweisbar und wird weniger durch bestimmte Medikamente zum Verbessern der Herzmuskelschwäche verfälscht. Daher lassen Mediziner bei einer Blutuntersuchung bevorzugt diesen Wert bestimmen.

Beide Stoffe zeigen an, wie hoch die sogenannte Wandspannung im Herzen ist, also letztlich, wie groß der Druck und damit die Belastung sind. Erhöhte BNP- und NT-proBNP-Werte kennzeichnen eine erhöhte Wanddehnung bzw. Überlastung an und damit eine Herzinsuffizienz. Je höher die Werte, desto ausgeprägter die Herzinsuffizienz.

NSE ist ein spezielles Stoffwechselenzym (Zuckerstoffwechsel), und kommt vor allem in Zellen des zentralen und peripheren Nervensystems sowie in neuroendokrinen Zellen vor.

Die Messung von NSE im Blut wird als Tumormarker vor allem bei schlecht differenzierten neuroendokrinen Karzinomen (NEC G3) und bronchopulmonalen NET (Lunge und Bronchen) eingesetzt. Die Höhe der Messwerte dient dabei zur Beurteilung des bisherigen Krankheitsverlaufs, der Prognose sowie des Therapieerfolges.

Dünndarm-NET, atypische Lungen-NETs, Eierstock-NET und NET- Metastasen in der Leber können jeweils große Mengen des Hormons Serotonin bilden. 5-HIES (5-Hydroxy-Indol-Essigsäure) entsteht, wenn Serotonin im Körper abgebaut wird.

Mit einem Test auf 5-HIES kann auf den Serotoninspiegel im Körper geschlossen und die hormonelle Aktivität von NEN bestimmt werden. Mit diesem Test kann daher das Ausmaß eines Karzinoid-Syndroms beurteilt werden.

Für diesen Test wird Urin über einen Zeitraum von 24 Stunden in einem Behälter, in dem sich ein Säurepulver befindet, gesammelt.

Bildgebende Verfahren

Darunter versteht man apparative diagnostische Verfahren, deren gemeinsame Eigenschaft die visuelle Darstellung eines Befunds oder einer pathologischen Gewebsveränderung ist. Jede der bildgebenden Techniken hat ihre spezifischen Vorteile und Nachteile.

Die konventionelle Röntgenaufnahme und die Computertomografie (CT) beruhen auf dem Einsatz von Röntgenstahlen. Durch die Gabe von Kontrastmitteln können Veränderungen oft besser dargestellt werden.

Die molekulare Bildgebung findet im Rahmen der Nuklearmedizin ihre Verwendung. Sie bietet eine ganze Reihe an Verfahren, die es ermöglichen, biologische Vorgänge im Stoffwechsel von Körperzellen darzustellen. Dem Patienten werden hierfür kleine Mengen radioaktiver Substanzen (radioaktive Marker) verabreicht.

Magnetresonanztomografie (MRT), auch als Kernspintomografie bezeichnet, und Ultraschall sind weitere Verfahren zur medizinischen Bildgebung. Sie verwenden keine ionisierende Strahlung, im Gegensatz zur konventionellen Röntgenaufnahme, zum CT und zur molekularen Bildgebung.

Bei der Sonographie können verschiedene Körperregionen und Organe untersucht werden. Dabei ist diese Untersuchungsmethode schnell, sicher, nebenwirkungsfrei und kostengünstig.

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann auch festgestellt werden, ob Gallensteine vorhanden sind, die z. B. durch eine Behandlung mit Somatostatin-Analoga entstehen können.

Ein Echokardiogramm (oft kurz „Echo“) ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Hiermit kann die Beschaffenheit des Herzens und die Herzklappen genauer betrachtet, sowie die Pumpkraft des Herzens gemessen werden.

Besonders eine Überproduktion von Serotonin kann eine strukturelle Herzschädigung hervorrufen und die Herzleistungsfähigkeit mindern. Mit einem „Echo“ können solche Schädigungen nachgewiesen werden. Normalerweise wird der Schallkopf auf den vorderen und seitlichen Brustkorb von außen aufgesetzt. Um eine genauere Darstellung zu erreichen, kann auch ein „Schluckecho“ durchgeführt werden, eine Ultraschalluntersuchung von der Speiseröhre aus.

Eine Computertomografie (CT-Scan) liefert ein sehr detailliertes Bild von der Position und Größe der Organe und der umliegenden Strukturen. Mit diesen Untersuchungen werden Abnormitäten wie Tumore oder vergrößerte Lymphknoten gesucht.

Da bei einem CT-Scan eine Reihe von, aus verschiedenen Winkeln aufgenommene, Röntgenbilder kombiniert werden, liefert dieses Verfahren genauere Informationen als zweidimensionale Röntgenaufnahmen. Durch regelmäßige Scans wird das Tumorverhalten beobachtet.

Während eines CT-Scans ist die Strahlendosis höher als bei einem gewöhnlichen Röntgenverfahren. Sehr oft wird ein Kontrastmittel eingesetzt, das zur Verbesserung der Bildqualität beiträgt. Das Kontrastmittel kann körperliche Beschwerden oder allergische Reaktionen verursachen. Der Radiologe wird dies im Vorfeld mit den Patienten besprechen. Bei einer in der Vergangenheit bereits aufgetretenen Kontrastmittelreaktionen unbedingt den Arzt darüber in Kenntnis setzen.

Ein MRT-Scan liefert ebenfalls ein detailliertes Bild der Organe und Strukturen des Körpers aus einer Reihe von Schnittbildern. Im Gegensatz zum CT-Scan werden bei einem MRT-Scan die Bilder durch Magnetfelder und Radiowellen erzeugt.

Auch hier können Kontrastmittel zur Verbesserung der Bildqualität beitragen, die allerdings auch hier zu körperlichen Beschwerden oder allergischen Reaktionen führen können.

Bei bestimmten Tumoren und einigen Körperteilen (wie z. B. der Lunge) liefert ein CT-Scan deutlichere Ergebnisse, in anderen Fällen ist ein MRT-Scan besser geeignet. Mit einem MRT-Scan lassen sich besonders die Leber, das Gehirn und die Wirbelsäule klar darstellen.

Um einen guten Vergleich der Bilder im Verlauf zu ermöglichen, sollte möglichst immer die gleiche Technik angewendet werden.

Die Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie, kurz SRS oder SSRS, ist ein bildgebendes Verfahren für den Nachweis von neuroendokrinen Tumoren (NET).

Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten eine Somatostatin ähnliche Substanz in die Vene‎ verabreicht (z.B. radioaktives Octreotid oder Indium-111-Pentetreotid), die dann über den Blutkreislauf zu allen Körperregionen gelangt. Dort kann sie an die Somatostatin-Rezeptoren andocken.

Zentrales Anwendungsgebiet der Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie ist der medizinische Nachweis von gut differenzierten NET.
Der einzige neuroendokrine Tumor, der durch die Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie nicht bzw. kaum sichtbar gemacht werden kann, ist das Insulinom der Betazellen der Pankreas. Auch NET G3 oder NEC haben häufiger die Somatostatin-Rezeptoren verloren und stellen sich dann nicht dar, weil die radioaktive Substanz nicht andocken kann.

MIBG-Scans laufen ähnlich wie Octreotid-Scans ab, aber mit dem Radiopharmakon 123-J oder 131-J markierten Metajodbenzylguanidin (mIBG).

Diese Untersuchung eignet sich im Prinzip für alle NET, jedoch am besten zur Diagnose und Kontrolle von Phäochromozytomen (Tumoren des Nebennierenmarks) oder der Paragangliomen (meist gutartigen Tumoren des autonomen Nervensystems), weil der mIBG-Tracer von diesen Tumoren angezogen wird.

Somatostatinrezeptoren sind auf der Oberfläche von neuorendokrine Tumoren (NET) vermehrt vorhanden. Diese Tumore kommen vor allem im Bereich des Magen-Darm-Traktes, der Lunge und der Bauchspeicheldrüse vor.

Bei 68Ga-DOTATATE-PET/CT-Scans kommt der radioaktive Tracer Gallium-68 zum Einsatz. Damit lassen sich im Körper Strukturen mit gesteigerter Somatostatinrezeptordichte darstellen, indem man an einen Somatostatin-ähnlichen Stoff (DOTATATE) ein radioaktives Nuklid (68Ga) koppelt.

Das Verfahren gilt nachweislich als die empfindlichste Untersuchung zur Erkennung gut differenzierter NET. Dank ihrer Vorteile (Genauigkeit, Empfindlichkeit, geringerer Zeitaufwand, geringere Tracer-Mengen und niedrigeres Allergierisiko) löst diese Untersuchung die Octreotid-Scans in NET-Fachzentren rasch ab.

Allerdings gibt es bei einigen Krankenkassen Schwierigkeiten mit der Bezahlung.

Entzündliche Prozesse und eine Vielzahl von Tumoren weisen einen erhöhten Glukosestoffwechsel auf. Dies macht man sich in der nuklearmedizinischen Diagnostik zu Nutze.

18F-Fluordesoxyglukose (18F-FDG) ist eine schwach radioaktiv markierte Glukose, die wie „normaler“ Traubenzucker (Glukose) in Körperzellen aufgenommen wird. Zellen mit erhöhtem Glukosestoffwechsel, also beispielsweise Tumorzellen, nehmen vermehrte 18F-FDG auf. Mit einem PET können der radioaktiv markierte Zucker und so der Glukosestoffwechsel im Körper sichtbar gemacht werden und Bereiche mit erhöhtem Glukosestoffwechsel identifiziert werden.

So kann die 18F-FDG-Ganzkörper-PET-CT entscheidende Hinweise für die Diagnose und Behandlung einer Tumorerkrankung oder einer entzündlichen Erkrankung geben.

Gut differenzierte NET nehmen Glukose nicht vermehrt auf, lassen sich daher nicht mit dieser Methode darstellen. Sie ist gut geeignet für Neuroendokrine Karzinome und sich schnell teilende Neuroendokrine Tumore.

Endoskopien

Bei einer Endoskopie wird eine Körperhöhle (wie Bauchraum, Kniegelenk) oder ein Hohlorgan (wie Darm, Lunge) mithilfe eines Endoskops von innen untersucht. Das Endoskop besteht aus einem flexiblen Gummischlauch oder einem Metallrohr mit einer Lichtquelle, Linsen und einer Kamera. Während der Endoskopie können auch kleine Eingriffe vorgenommen und Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden.

Notwendig ist eine endoskopische Untersuchung immer dann, wenn der Arzt eine sichere Diagnose weder mit bloßem Auge noch mit bildgebenden Verfahren stellen kann. Der direkte Blick in das Innere eines Organs und die eventuell notwendige Biopsie (Gewebeentnahme) zur feingeweblichen Untersuchung helfen, die richtige Diagnose zu stellen. Auch kleine Operationen, wie zum Beispiel die Entfernung von Darmpolypen werden im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung durchgeführt.

Die Thorakoskopie ist eine Untersuchung, bei der mithilfe eines Thorakoskops und verschiedener anderer Instrumente durch die Brustwand in die Brusthöhle geschaut wird.
Ein Thorakoskop ist eine biegsame Stange, die Bilder aus dem Inneren des Körpers auf einen Bildschirm überträgt.

Die Thoraxspiegelung wird in Vollnarkose vorgenommen.

Bei unklaren vergrößerten Lymphknoten im Bereich der Luftröhre und hinter dem Brustbein kann mit einer kleinen Spiegelung, die in Vollnarkose durchgeführt wird, eine weitgehende Abklärung dieser Herde erfolgen. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass hier ganze Lymphknoten entfernt werden können, was die histologische Diagnostik wesentlich verbessert.

Bei der so genannten „Mediastinoskopie“ entsteht eine zirka 1,5 bis 2 Zentimeter lange Narbe am Hals, direkt oberhalb des Brustbeins.

Bei der Bronchoskopie (Lungenendoskopie) wird eine entweder starre oder bewegliche Sonde (Bronchoskop) über die Nase oder den Mund in die Luftröhre eingeführt, damit die Luftröhre und ihre großen Abzweigungen, die Bronchien, untersucht werden können.

Dies kann sowohl unter Vollnarkose als auch mit lokaler Betäubung erfolgen.

Eine Gastroskopie (Magenspiegelung) kann ohne Betäubung durchgeführt werden. Das Einführen des flexiblen Schlauchs durch den Mund und Rachen kann bei empfindlichen Patienten aber einen Würgereiz auslösen.

Eine lokale Betäubung des Mund-Rachen-Raums kann dem entgegenwirken. Meistens bekommt der Patient ein Beruhigungsmittel oder eine kurze Vollnarkose (Propofol).

Auch die Koloskopie (Darmspiegelung) kann wahlweise (selten) ohne Betäubung, unter der Gabe eines Beruhigungsmittels oder einer leichten Narkose erfolgen.

Vor der Untersuchung wird der Darm mithilfe eines Abführmittels geleert. Bei dieser Endoskopie muss der Patient ebenfalls nüchtern sein.

Ist für viele Patienten zwar unangenehm, wird in den meisten Fällen aber auch ohne Narkose gut ertragen.
Eine Vorbereitung ist meist in Form eines Einlaufs nötig.

Wird in Vollnarkose am nüchternen Patienten durchgeführt. Neben dem Nabel wird nach Setzen eines winzigen Schnittes das Endoskop eingeführt und der Bauch aufgebläht, um dem Operateur freie Sicht auf das Innere zu ermöglichen.

Bei der Kapselendoskopie, auch Video-Kapsel-Endoskopie genannt, werden Dünn- und Dickdarm mit Hilfe einer Videokapsel untersucht, die Aufnahmen vom Inneren des Darms macht. Dabei schluckt der Patient eine Kapsel von ca. 26mm Länge und 11 mm Dicke. Die Kapsel ist mit ein oder zwei Kameras, Lichtquelle sowie einem kleinen Sender ausgestattet und durchläuft das gesamte Verdauungssystem. Dabei filmt sie den zu untersuchenden Abschnitt, etwa den Dünndarm oder den Dickdarm, und sendet die Aufnahmen an einen Datenrekorder, den der Patient bei sich trägt. Anschließend werden die Bilder vom Arzt ausgewertet.

Bei Verdacht auf eine Engstelle im Darm (Stenose) darf die Kapsel-Endoskopie nicht durchgeführt werden. Die Kapsel könnte stecken bleiben und müsste durch eine Operation entfernt werden.

Mit dieser Methode kann man vor allem Tumore und Blutungsquelle im Dünndarm erkennen. Soll eine Probe aus einer verdächtigen Stelle genommen werden, muss eine „Push-Endoskopie“ durchgeführt werden. Mit einem sehr langen Endoskop wird nach und nach der gesamte Dünndarm „aufgefädelt“ und betrachtet. Dabei könnte z.B. auch eine Blutungsquelle verödet werden. Die Untersuchung ist sehr aufwändig.

Die Kapselendoskopie ist die einzige nicht invasive Möglichkeit, den gesamten Dünndarm von innen zu betrachten. Im Gegensatz zur virtuellen Endoskopie mittels Computertomographie kommt es bei der Kapselendoskopie zu keiner Strahlenbelastung.

Gewebeentnahme (Biopsien)

Mit einer Gewebeentnahme (Biopsie) lässt sich klären, ob es sich etwa bei einem verdächtigen Knoten um eine harmlose oder krankhafte Gewebeveränderung handelt. Dazu werden kleine Gewebeteile entnommen, die unter dem Mikroskop untersucht werden. Der Eingriff ist oft ambulant möglich.

Werden Proben mit nur wenigen, einzelnen Zellen begutachtet spricht man von „Zytologie“. Wird ein vollständiges Gewebestück beurteilt, bezeichnen Fachleute dies als „Histologie“.

Wird mithilfe einer Feinnadel (Punktionskanüle) durchgeführt. Sie erfolgt mit dünnen Hohlnadeln.

Die Zellen werden durch die Kanüle angesaugt und anschließend zytologisch untersucht. Die Punktion ist besonders für die Untersuchung von nicht sehr festen Geweben wie etwa dem Knochenmark oder zur Gewinnung von Zellen aus Körperflüssigkeiten geeignet.

Weitere Einsatzgebiete sind zum Beispiel tumorverdächtige Knoten in der Schilddrüse, in der Lunge oder in der Bauchspeicheldrüse.

Reichen einzelne Zellen für die Diagnose nicht aus, sondern sind Informationen über den Aufbau eines Zellverbandes in verändertem Gewebe notwendig, so wird meist eine Stanzbiopsie durchgeführt. Dabei werden mit einer dickeren Nadel mehrere Zylinder zusammenhängenden Gewebes aus dem verdächtigen Bereich heraus gestanzt.

Für eine bessere Treffsicherheit werden bildgebende Verfahren benutzt.
Feinnadelbiopsien und Stanzbiopsien können in der Regel ambulant durch spezialisierte Praxen oder Klinikambulanzen durchgeführt werden.

Im Gegensatz zur Stanzbiopsie erlaubt die Vakuumbiopsie die computergesteuerte und sehr exakte Entnahme von mehr Gewebe.

Die Haut wird örtlich betäubt. Mit Sonographie, MRT und CT wird die genaue Lage der Biopsienadel bestimmt. Unter Unterdruck (Vakuum) wird Gewebe durch eine seitliche Öffnung in die Nadel gesaugt, abgetrennt und nach außen transportiert. Der Vorgang wird solange wiederholt, bis mehrere Proben entnommen wurden.

Wird ein suspekter Befund bzw. eine Gewebeveränderung vollständig zu Untersuchungszwecken entfernt, spricht man von einer Exzisionsbiopsie.

Wird nur ein Teil des Befundes herausgeschnitten, handelt es sich um eine Inzisionsbiopsie.

Ein NET der Bronchien kann direkt unter Sicht durch ein starres Bronchoskop in Vollnarkose biopsiert werden.

Bessere histologische Ergebnisse erhält man durch eine Kryobiopsie. Hierbei wird mittels einer Sonde, die an ihre Spitze bis zu – 30 °C erzeugt, ein Stückchen Tumorgewebe an die Sonde eingefroren und entfernt. So vermeidet man eine Quetschung des gewonnenen Gewebes.

BAL, ist eine Methode zur Probengewinnung, die im Rahmen einer Bronchoskopie eingesetzt wird.

Dazu wird Flüssigkeit z.B. Kochsalzlösung in die Lungenbläschen eingebracht und dann mittels Bronchoskop gemeinsam mit der Flüssigkeit Schleim und andere Zellen oder Krankheitserreger, die sich in den Lungenbläschen befinden, abgesaugt.